Mit Nepomuck auf Weltreise

Wie funktioniert eigentlich ein Heißluftballon, und wie leben die Eskimos heute? Was passiert, wenn ein norwegischer Kobold auf einen irischen Leprechaun trifft, und was kann man im Karina-Verlag so alles anstellen? Begleitet den lustigen Kobold Nepomuck auf seinen Reisen durch Europa, Asien, Amerika, Afrika und Australien, lernt Menschen, Tiere und verschiedene Kulturen hautnah kennen.

Leseprobe

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen. Es geht zum Hobbitdorf in Hobbingen oder auch

Hobbiton. Sie müssen eine gute Stunde mit dem Auto zurücklegen, bevor sie dort ankommen.

„Wir müssen möglichst gleich die erste Führung erwischen, später wird es proppenvoll“, sagt

Kathys Vater und wirft einen sorgenvollen Blick auf seine Armbanduhr. Doch sie schaffen es

pünktlich vor dem großen Ansturm.

Nepomuck kennt die Hobbits aus den Filmen „Der Hobbit” und „Herr der Ringe”. Fasziniert

begutachtet er die 44 Hobbithöhlen, die geschickt in ein grünes Auengelände eingepasst und

durch Wege miteinander verbunden sind. Es gibt außerdem Mini-Seen, kleine Bäche, eine

klappernde Wassermühle, eine steinerne Brücke und liebevoll mit Blumen und Obstbäumen

bepflanzte Gärten mit Holzzäunen und Minibriefkästen. Ganz wie im Film. Alle sind begeistert.

Der große Eichenbaum vor Bilbos Haus besteht allerdings nur aus Plastik.

„Der ist ja gar nicht echt!“, ruft Nepomuck etwas enttäuscht. Dafür hat man von hier oben aber

einen schönen Blick über ganz Hobbingen. Das entschädigt. Ein guter Platz für ein Picknick mit

Keksen und Limonade, findet der Kobold.

„Die Hobbits haben auch immer Hunger, genau wie Nepomuck“, lacht Kathy.

„Wo sind denn nun eigentlich die Hobbits?“, erkundigt sich der Koboldjunge, der nur auf ein

Stichwort gewartet hat.

„Aber Nepomuck, die Hobbits sind doch nur Filmfiguren“, erklärt der Vater dem fassungslosen

Kobold schmunzelnd.

„Ich habe sie doch selbst gesehen, dann muss es sie auch geben!“

Auch die Hobbithöhlen sind nur Attrappen: In ihnen befinden sich keine Räume mit Einrichtung,

sondern nur halb ausgebuddelte Erdlöcher, stellen sie fest, als sie erwartungsvoll eine der

farbigen runden Holztüren öffnen.

„Sicherlich sind die Hobbits nur einfach weitergezogen – so wie meine Vorfahren damals“,

überlegt Nepomuck halblaut. Er bekommt plötzlich feuchte Augen. Zu sehr erinnert ihn

Hobbingen an sein Kobolddorf in Norwegen. So lange bin ich nun schon unterwegs!

Ich habe viele schöne Länder gesehen, war in Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien.

Aber nun wird es für mich wohl Zeit, endlich heimzukehren. Der kleine Kobold hat plötzlich

starkes Heimweh.

Reka legt tröstend den Arm um ihn. „Ich schenke dir meinen Delfin. Er wird dich sicher wieder

nach Hause geleiten“, flüstert sie ihm ins Ohr, und Nepomuck fühlt, wie ihm die Kette um den

Hals gelegt wird. Dankbar schaut er das Mädchen an und wischt sich verstohlen eine Träne aus

dem linken Auge. Na! Hoffentlich hat sonst keiner etwas gemerkt.

„Damit ihr nicht allzu enttäuscht seid, gehen wir jetzt in den „Green Dragon“, die Kneipe der

Hobbits“, schlägt Vater aufmunternd vor. Ob er doch etwas ahnt?

Der „Grüne Drache“ ist ein rustikales Gasthaus im Hobbit-Stil. Die Überraschung ist wirklich

gelungen! An den Wänden kann man Bilder, Hüte und Mäntel der Hobbits bewundern.

„Ich wusste doch, dass es sie gibt“, triumphiert der Kobold mit glänzenden Augen.

 

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 ©byChristine Erdic